Newsletter Mai 2025: Literatur, Politik und Schokolade

© Sarah Eick

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen,

als alter Beatles-Fan habe ich Yoko Ono nie ganz unkritisch gesehen. Nicht, weil sie die Beatles „auseinander gebracht“ hätte – das klang schon immer nach moderner Hexenjagd -, sondern weil sie mit John Lennon recht furchtbare Alben veröffentlicht hat. Den beiden ambitionierten Großausstellungen von Yoko Ono, die gerade in Berlin zu besichtigen sind, konnte ich in meiner Rezension leider auch nicht viel Positives abgewinnen. Frau Ono scheint ganz schön stehengeblieben. PEACE, ob es um den Vietnamkrieg, die Ukraine, um welchen Konflikt es auch immer geht, Frau Ono hat eine einfache Losung parat. War is Over, if you want it. Einfach nur dran glauben.

Auf angenehmere Art „stehengeblieben“ ist der herrliche „Süßkramdealer“ in Friedenau (mit einem weit über 100 Jahre alten Interieur; hier kaufte Hildegard Knef als Mädchen die Zigarren für ihren Vater). Mit der Journalistin Katja Wallrafen habe ich u.A. über diesen „Berliner Lieblingsort“ gesprochen.

Um Frauen geht es auch bei dem Friedrichshainer Stadtspaziergang, der sich Frauen widmet, die in dem Stadtteil gelebt und „gewirkt“ haben, wie Gabriele Tergit, Hildegard Jadamowitz, Ludmilla Herzenstein, Annemirl Bauer und Tamara Danz. Im Rahmen dieses besonderen Parcours kann man die Preusissch-süß-Sorte „Friedrichshain“ gewinnen.

Eine völlig andere Arbeit ist meine passionierte Beschäftigung mit Geheimschriften. Mitte des Monats stelle ich im Düsseldorfer „Kunstkiosk“ meine Geheimschrift Autumnisch (von autumn, Herbst) und einige autumnische Bild-Gedichte (nennt sich schicker „Visuelle Poesie“) vor.

Schöne Maitage und viele freundliche Himmelszeichen wünscht

Tanja

Kulinarische Empfehlung

Es muss nicht die horrend teure und viel zu süße Dubai-Schokolade sein. Diese kleinen nussig-cremigen Pistacchio-Happen von Venchi aus Italien sind der Hammer. Unter Anderem gibt’s sie im Friedenauer „Süßkramdealer“.

Termine und Veröffentlichungen

30. April Jungle World (Print), in den nächsten Tagen online

Puzzeln für Love, Peace and Happiness

Besprechung der beiden Yoko-Ono-Ausstellungen „Music of the Mind“ im Gropiusbau und „Yoko Ono: Dream Together“ in der Neuen Nationalgalerie.

30. April Vortrag und Diskussion

Vortrag und Diskussion (online) im Rahmen der Reihe „The German-American-Experience” an der Miami University in Oxford, Ohio auf Einladung von Prof. Nicole Thesz. Gegenstand der Diskussion ist mein Roman „Der Längste Tag des Jahres“ („Summer Solstice“).

1.Mai 12-15 Uhr Quest for Women – Stadttour / Erinnerungskultur (versüßt)

Projekt der Künstlerinnen Ewa Maria Slaska und Anna Krenz, mit Preussisch süß-Schokolade „Friedrichshain“ als Gewinnen für verschiedenen Aufgaben

Das Stadtspiel Quest for Women – Friedrichshain stellt fünf Frauen vor, die im 20. Jahrhundert in Friedrichshain aktiv waren. Alle fünf waren von den politischen Rahmenbedingungen ihrer Zeit hart betroffen. Schriftstellerin Gabriele Tergit, eine Jüdin und Hildegard Jadamowitz, eine aktive Kommunistin, waren Opfer der Verfolgung durch den NS. Tergit war gezwungen, sich ins Exil zu begeben. Jadamowitz wurde inhaftiert, verurteilt und hingerichtet. Mit dem DDR-Regime mussten sich die Frauen der nächsten Generationen auseinandersetzen. Die Architektin Ludmilla Herzenstein wurde wegen nicht politisch konformer Bauten in die Bedeutungslosigkeit verbannt. Die Malerin Annemirl Bauer und Rock-Sängerin Tamara Danz, beides Dissidentinnen, wurden beschattet.

Das Projekt ist Teil einer Reihe verschiedener Aktivitäten, die darauf abzielen, Frauen den ihnen gebührenden Platz in der Erinnerungskultur einzuräumen.

Die Route des Spiels misst ca. 4 Kilometer und dauert zu Fuß etwa 1,5 Stunden. Sie beginnt um 12 Uhr an der Tamara-Danz-Straße, geht weiter zu Annemirl-Bauer-Platz und Boxhagener Str. 80, wo man Gabriele Tergit gedenkt. Weiter führt der Weg zur Karl-Marx Allee, wo Ludmilla Herzenstein ihre modernen Häuser gebaut hat. Dann geht es weiter zu Hildegard-Jadamowitz-Straße (5), wo sich ab 14 Uhr in der Asmen-Bäckerei die Organisatorinnen mit Teilnehmer:innen treffen. Mit dabei sind auch zwei bekannte Berliner Schriftstellerinnen – Claudia von Gélieu und Tanja Dückers, die die Preise überreichen werden.

Ab 14 Uhr: Schokoladenpreise von Preussisch süß in der Asmen-Bäckerei, Hildegard-Jadamowitz-Straße 18, 10243 Berlin

15. Mai, 19 Uhr Düsseldorf

Lesung & Visuelle Poesie

Lyrik + Vorstellung von Tanjas Geheimschrift Autumnisch, mit Wort-Bildern

Unter dem Titel Kunstkiosk kuratiert die Düsseldorfer Schriftstellerin und Künstlerin Vera Vorneweg seit 2022 eine Veranstaltungsreihe mit Autor:innen der Visuellen Poesie. Hierfür wird eine kleine Bar im Herzen von Düsseldorf-Oberbilk für einen Abend in ein gemütliches Wohnzimmer verwandelt. Finanziert wird die Reihe u.A. vom Kulturamt der Stadt Düsseldorf, der Kunststiftung NRW sowie der Demokratiewerkstatt Oberbilk.

Elona Café, Stoffeler Straße 3 in Düsseldorf-Oberbilk

Moderation: Vera Vorneweg

19. Mai, 9-17 Uhr Beratung / Coaching

Lettretage, schreiben & leben-Programm

Beratung / Coaching für andere Autorinnen und Autoren, für den literarischen Nachwuchs (vorherige Anmeldung notwendig)

Über Tanja Dückers / Anton Landgraf

17. Mai, Berliner Morgenpost

Portrait von Katja Wallrafen über Tanja Dückers, ihre Berliner Stadtteilschokolade und einen ihrer besonderen Berliner Lieblingsorte: den Friedenauer „Süßkramdealer“

DGB-Magazin Soli Mag, Ausgabe 2. 25

Vorstellung von „Anton Landgraf. Bis hierher und immer weiter. Linke Kritik und Kritik der Linken“, Hg. Tanja Dückers-Landgraf, Ferdinand Muggenthaler, Uta von Schrenk, Edition Tiamat, Berlin 2024

Nachgelesen

Die Butter vom Brot nehmen

Die Lebensmittelpreise steigen, der inflationsbereinigte Umsatz im Einzelhandel sinkt. Eine Untersuchung der Kreditversicherungsgruppe Allianz Trade zeigt, dass an der Teuerung nicht nur die gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe Schuld haben.

Von Anton Landgraf

Lektüre-Empfehlungen

Abel Quentins Roman „Der Seher von Étampes“ (Matthes & Seitz, 2024), aus dem Französischen übersetzt von Laura Strack, hat mich von der ersten Seite an begeistert: Ein alternder 68er, konfrontiert mit seiner rebellischen Tochter, die aber nicht auf die Weise rebelliert, wie er es aus seiner Jugend kennt und für richtig hält, reflektiert sein eigenes Altwerden auf physischer wie intellektueller, gesinnungsethischer Ebene – ein höchst sarkastischer, selbstmitleidsloser Coming-of-Age-Roman der anderen Sorte, dabei ein Ritt durch die französische Kultur- und Intellektuellenszene seit den 60er Jahren, ohne Bildungshuberei, mit viel Kritik an ebendieser – sehr lesenswert!

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