Anton Landgraf

(22. Februar 1964, Aalen – 9. Juli 2023, Berlin)

Anton Landgraf war Soziologe, Journalist, Blogger, Menschenrechtsaktivist und Fotograf – und Ehemann von Tanja Dückers.

Biographie

Anton Landgraf wuchs am Rande der Schwäbischen Alb in Aalen auf, wo er das Theodor- Heuss-Gymnasium besuchte. Sein Abitur legte er 1983 ab. Bereits als Vierzehnjähriger leitete er die Ortsgruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Aalen. Dort gehörte er Anfang der Achtziger Jahre auch zu den Mitbegründern der linken Stadtzeitung „Der Wahre Jacob“.

Anton Landgraf studierte in Freiburg und Berlin Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaften und Psychologie. In Freiburg wie auch später in Berlin war er mehrere Jahre als sozialpsychologischer Einzelfallhelfer tätig.

Er lebte ein Jahr lang in Brasilien und recherchierte vor Ort über die Landlosenbewegung, über die er auch seine Diplomarbeit in Soziologie schrieb. Nachdem er 1990 nach Berlin gezogen war, arbeitete Anton Landgraf als Dozent für Lateinamerikanistik am LAI (Freie Universität Berlin), als Dozent an der HWR Berlin (Hochschule für Wirtschaft und Recht) und als Journalist für die Deutsche Lehrerzeitung. Anschließend war er Redakteur, zeitweilig CvD und bis zuletzt Mitherausgeber der Berliner Wochenzeitung Jungle World. Er schuf das neue Euro-Ressort für Europapolitik für die Zeitung und war ferner für das Wirtschaftsressort zuständig. 2003 begann Anton Landgraf als Fachreferent für die Region „Americas“ im hauptamtlichen Sekretariat von Amnesty International zu arbeiten. 2004 wechselte er als verantwortlicher Redakteur zum Amnesty Journal, das er grundlegend reformierte. Gemeinsam mit dem Grafiker Heiko von Schrenk schuf er ein modernes, optisch ansprechendes, vielfach ausgezeichnetes Magazin, das heute weit über die Grenzen der Menschenrechtsorganisation hinaus bekannt ist.

Greenpeace und Amnesty International publizierten auf Anregung von Anton Landgraf gemeinsam eine Doppelausgabe (2008 zu 60 Jahre „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“), in der menschenrechtliche und ökologische Fragen und Konflikte in einen Zusammenhang miteinander gesetzt wurden. Diese Ausgabe wurde sehr erfolgreich.

2015 übernahm Anton Landgraf bei Amnesty Deutschland die Teamleitung im Bereich Presse und Publikationen, seit 2016 leitete er den fusionierten Bereich „Presse, Online, Publikationen“ (POP), das damit eines der größten Teams im deutschen Sekretariat von Amnesty International wurde.

Anton Landgraf heiratete 2004 die Berliner Schriftstellerin, Journalistin und Unternehmerin Tanja Dückers. 2009 wurde der gemeinsame Sohn Emil Alexander Landgraf geboren.

Die Familie unternahm viele gemeinsame Recherchereisen, u. A. nach Südafrika, Kenia, Indien, Südkorea, Ecuador, Kanada, nach Transnistrien, ins Baltikum, in die Ukraine und nach Israel. Anton Landgraf lebte mehrfach mit seiner Familie in den USA.

Neben seiner Leidenschaft für soziologische und politische Sachverhalte interessierte er sich für Fußball, Film, Fotografie, IT, guten Kaffee, ebensolche Schokolade, Portugal, die Hängematte auf dem Balkon und den familieneigenen Shetland Sheepdog.

Publizistische Tätigkeit

Anton Landgraf publizierte neben seiner Tätigkeit für Amnesty International Artikel, Kommentare und Essays vor allem in der Wochenzeitung Jungle World, für die er rund 500 Artikel verfasste. Er veröffentlichte jedoch auch in der luxemburgischen WOXX, in der Jüdischen Allgemeinen, im Campus Verlag, im Verbrecher Verlag, bei DuMont, im Dietz Verlag sowie im Insel Verlag / Suhrkamp. Ferner schrieb er einen viel gelesenen Reiseblog.

Sein Themenspektrum: Europapolitik, Migration, Menschenrechte, neue rechte Ideologien, Faschismus, Antisemitismus, das transatlantische Verhältnis, Lateinamerika, Rechte von Indigenen, prekäre Lebensformen, Kreativwirtschaft, neue Arbeitsmodelle und KI.

Publikationen (Auswahl)

Tanja Dückers und Anton Landgraf: Das süße Berlin. Die Schokoladenseiten der Hauptstadt, Insel Verlag, Berlin 2021, mit 80 farbigen Fotografien von Anton Landgraf

Zeev Sternhell: Faschistische Ideologie. Eine Einführung, Vorwort: Anton Landgraf, Hg. Kristine Listau, Jörg Sundermeier, Verbrecher Verlag, Berlin 2002

Ich wär gern einer von uns. Geschichten übers Ein- und Aufsteigen“, Hg. Klaus Wowereit und Franziska Richter für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Dietz Verlag, Bonn 2011, darin das Portrait „Ein Kind ihrer Zeit: Gabriele Lösekrug-Möller“.

Stadt der Sklaven. Slave City“, Hg Museum Folkwang Essen, Katalog zur Ausstellung (Hardcover), DuMont Buchverlag, Köln 2008, darin der Beitrag: „Wir sind so frei. Selbstausbeutung bei Freiberuflern in kreativen Arbeitsfeldern“ (gemeinsam mit Tanja Dückers)

Unternehmertum. Vom Nutzen und Nachteil einer riskanten Lebensform“ (Hg. Ludger Heidbrink, Peter Seele), Campus, Frankfurt am Main 2010, darin der Beitrag: „Künstlerunternehmer: Von der Kulturindustrie zur Kreativwirtschaft“ (gemeinsam mit Tanja Dückers)

Einzelbeiträge

Im Web-Archiv der Jungle World findet man rund 500 journalistische Beiträge von Anton Landgraf.

Im Web-Archiv der luxemburgischen WOXX findet man einige weitere Artikel von Anton Landgraf.

Eine kleine Auswahl

07.08.2008
Das schwarze Loch mit Leninbüste
Realsozialistischer Kult und geschäftstüchtige Oligarchie in Transnistrien

08.06.2017
Der Letzte macht das Licht aus“- 20 JAHRE Europa: Die Krise der EU und warum Deutschland nicht Teil der Lösung ist

02.06.2022
Vertraue niemandem“ – Weltweit setzt sich ein autoritärer Kapitalismus durch, der auf politische Rechte verzichtet.

Liebes Krakau. Ruth Fruchtman und ihr Verhältnis zu Polen“, Jüdische Allgemeine, Berlin 2006 (gemeinsam mit Tanja Dückers)

Auszeichnungen (Auswahl):

Für das Amnesty Journal erhielt Anton Landgraf gemeinsam mit dem Grafiker Heiko von Schrenk eine Reihe von Auszeichnungen:

  • »Best of Corporate Publishing« – Gold (2006), Silber (2009, 2010, 2011)
  • »German Design Award« – Excellent Communication Design (2019)
  • »International Corporate Media Award« – Gold (2011, 2021), Silber (2014, 2017, 2019), Bronze (2012, 2013, 2023)
  • »International Corporate Media Award« – Best of Decade (2021, mit Anderen)

Fotografien von Anton Landgraf

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